Weitere Schritte zur mentalen Selbstheilung: Klinikaufenthalt

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Lesezeit: 5 Minuten

Mentale Selbstheilung beginnt in dir...

Wir schreiben das Jahr 2019, der Frühling hat sein blaues Band über die Welt gelegt, es liegt Wachstum und ein Hauch des Erblühens in der Luft. Für mich tiefer als je zuvor. Ich hatte mich entschieden, die Reisslinie zu ziehen, meine mentale Disbalance anzuerkennen, ihr Raum zu geben und mich entsprechend meiner Erkrankung zu verhalten. Schwäche zuzulassen, mich aus dem System des Funktionieren's zu entziehen und Hilfe zu erfragen. In diesem Blogartikel beschreibe ich die ersten Schritte zur mentalen Selbstheilung, und teile meine ersten Anlaufstellen.

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Meine Erfahrung hat mir gelehrt, dass es sehr wichtig in den Anfängen des Burnout ist, sich Hilfe zur Selbsthilfe zu schaffen. Das Krankheitsbild als solches zu erkennen, lernen es anzuerkennen, es zu akzeptieren und zu integrieren. Nur so schafft man es, mit der unbändigen Überforderung und Hilflosigkeit, die eine Burnout-Phase begleitet, umzugehen. In dieser Podcastfolge habe ich mir dazu Gedanken gemacht und 4 Tipps aus meiner Selbsterfahrung zusammengetragen, die eine erste Hilfe zur mentalen Selbstheilung darstellen (können). 


Ein großer Schritt steht bevor...

Ein Umstand, für den ich im Nachhinein sehr dankbar bin, ist meine Klarheit, die mich durch meinen Genesungsprozess begleitete. Eine Klarheit, die sich darin definierte, dass ich keine "halben Sachen" machen würde. Mein Burnout kam so plötzlich, die Ursachen saßen so tief, und die Wucht entzog mir förmlich jeden Antrieb um "einfach" zu funktionieren, so dass ich schon frühzeitig entschied, um die Aufnahme in einer psychosomatischen Klinik zu kämpfen. 

Zur Realisierung brauchte es Geduld, Selbstdisziplin und Flexibilität. Und Kampfgeist. Mein Hausarzt hatte mir die ersten Informationen zu einem möglichen Klinikaufenthalt geliefert, doch nach den ersten zwei Wochen der Krankschreibung wechselte mein Ansprechpartner auf einen ortsansässigen Psychiater. Die Praxis war überlastet, Termine vor Ort verliefen meist kurz. Auch hier berichtete ich über meinen Zustand, meine Biographie, aber stand auch Rede und Antwort, was meine konkreten Pläne hin zu meiner Genesung waren. Für Betroffene eine durchaus schwere Fragestellung. Dank meiner Klarheit teilte ich auch mit ihm meinen Wunsch nach einem stationären Klinkaufenthalt. 


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Durchbeißen und den Mut nicht verlieren

Er hörte mich, reagierte aber recht emotionslos. Erklärte mir, wie schwer es werden würde, wie lange es vermutlich dauern würde bis zum Aufnahmetag, und versuchte mir gefühlt, viel Wind aus meinen Segeln zu nehmen. Da er aber meinen starken Willen spürte, suchte er mir letztendlich zwei Adressen aus. Schwarz auf weiß trug ich nun also meine Lichtblicke nach Hause, und setzte mich sofort an meinen Laptop. Beide Kliniken wirkten wundervoll, die Beschreibung der Therapieelemente lies mich strahlen, ich hätte direkt meine Koffer packen können. Es folgte Ernüchterung. Der Doc hatte mich nicht darüber aufgeklärt, dass es sich um Privatkliniken handelte, und somit waren beide Adressen vom Tisch. Für alle Selbstzahler in meinen Augen eine gute Option, um schnell Hilfe zu erhalten. 

Doch was ist mit all jenen, die nicht die finanziellen Mittel als Selbstzahler haben?
Auch hier gibt es Abhilfe. Eine erste Internet-Recherche kann helfen, eventuell trifft man Blogbeiträge wie diesen oder Hilfsforen, wo man Inspiration und konkrete Tipps erhält.

Geduld 

Ich telefonierte mit meiner Krankenkasse, bat um Unterstützung, und auch wenn mir die Sachbearbeiterin am anderen Ende nicht direkt weiterhelfen konnte, verwies sie mich auf den BKK-eigenen 'Klinikfinder' auf der Webseite. Anhand meiner PLZ erhielt ich eine umfangreiche Liste der Kliniken im Umkreis, bei welchen eine Therapie durch Krankenkasse oder Rentenversicherung getragen werden konnte.

Drei Kliniken suchte ich mir heraus, ermittelte ein erstes Bauchgefühl durch Besuchen der  jeweiligen Webseiten und griff erneut zum Telefonhöher. Nummer 1 (die am nächsten an meinem Wohnort lag) war eine Sackgasse, es ging weiter mit Nummer 2.  Dieses Telefongespräch veränderte alles. Der 08. Mai 2019 erhielt ein fettes Kreuz im Kalender. Ich erhielt direkt einen Termin zum Vorgespräch, und das schon in zwei Wochen.

Mein Tipp an alle: bleibt dran, telefoniert alle Kliniken durch, nutzt die Option euch auf die Warteliste setzten zu lassen, fragt konkret nach der Möglicheit eines Vorgespräches und kommuniziert ehrlich eure Lage und die Dringlichkeit einer Aufnahme.


Das erste Mal fühlen und erleben...

Die zwei Wochen bis zum Vorgespräch vergingen wie im Flug. Ich freute mich so sehr auf die Möglichkeit, war aber auch arg aufgeregt. Nichtsdestotrotz traf ich die Entscheidung - gemeinsam mit meinem Partner - mich alleine auf den Weg zur Klinik zu machen. 1,5 Stunden Zug- und Busfahrt lagen vor mir, denn ich hatte mich sogar für das Nutzen des Öffentlichen Verkehrs entschieden. Ich wollte die Reise mit Haut & Haaren erleben, bewußt, entschleunigt, in voller Aufmerksamkeit.

Alles fühlte sich richtig an, es lief alles am Schnürchen, mein so geliebter "Flow-Zustand" begleitete mich. Der Zug fuhr bis zum Hautbahnhof, und nun stand ich zum ersten Mal im Zentrum einer schwäbischen Kleinstadt. Nur einmal vorher besuchte ich diese Stadt, begrenzte diesen jedoch auf die Haupt-Sehenswürdigkeit und den angrenzenden Park.
Aber jetzt war ich mitten drin. Ich stieg in den Bus, der mich die letzten Kilometer zur Klinik bringen sollte. Durch die Lautsprecher ertönten die Ansagen für die nächsten Haltestellen - gesprochen von Kinderstimmen. Ein wunderbarer Moment, der mich breit grinsen lies.

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An der Klinik angekommen setzte ich meine Erkundungstour fort, nahm Fotos aus, atmete tief ein und aus. So könnte also meine 'Umgebung auf Zeit' aussehen, so könnte es sich anfühlen. Dies könnte der Ort sein, der mir hilft, meinen Neuanfang, meine Re-Justierung, in die Wege zu leiten.

Als ich das erste Mal den Gang entlangschritt zum Sekreteriat war ich übersät von Gänsehaut. Ich hatte mein Schicksal in die Hände genommen - hmmmm, besser formuliert würde es wohl heißen 'mein Leben in die Hände genommen'. Der Chefarzt der Klinik begrüßte mich freundlich und es folgte ein Gespräch von fast 1,5 Stunden Dauer. Ich durfte ausgiebig berichten, und von Zeit zu Zeit mischte sich eine Frage meines Gegenüber in die Erzählung. Die Fragen hauten mich um. Sie waren genau das, wonach ich mich sehnte. Genau diese Art Fragen wollte ich gefragt werden, auch wenn sie Schmerz und Trauer bedeuteten.

Das Gespräch endete mit einer herzlichen Verabschiedung und der Rückmeldung des Doktors, dass ich gut in die Klinik passen würde und er mir gerne einen Platz anbieten würde. Im Nachgespräch im Sekreteriat wurden meine Daten aufgenommen, ich erhielt erste Informationen rund um den stationären Klinikaufenthalt, und ein A4-Blatt mit einer Art Packliste, welche mich später noch auf Zack halten sollte. Mit einer inneren Wärme erfüllt verließ ich an diesem Tag das Klinikgelände, mit der Intuition, dass ich diesen Ort bald wieder sehen würde. Der 22. Mai 2019 erhielt ebenfalls ein fettes Kreuz im Kalender.

Countdown-Time: es konnte jeden Tag losgehen...

Nun war klar: ich würde meine Chance bekommen. Die Frage war nur 'wann'. Die kommenden Wochen waren eine Achterbahn der Gefühle. Es konnte theoretisch jeden Tag losgehen, jeden Tage wartete ich darauf, dass mein Telefon klingelte und die Klinik mir meinen Aufnahmetag mitteilte. Jeden Tag versuchte ich, in voller Inbrunst im 'Hier und Jetzt' zu nutzen, zu genießen, mit dem 'Tag X' vor Augen, an dem ich für 6 - 8 Wochen mein Zuhause, meinen Partner, verlassen würde, um meine Therapie in der Klinik zu vollziehen. Täglich schwankte ich zwischen 'was-sollte-ich-noch-alles-organisieren' und 'bleib-ruhig-es-steht-noch-nichts-fest-genieße-jede-Minute'.

Der erlösende Anruf kam nach 7 Wochen. Am 11. Juli 2019 erhielt ich am Nachmittag einen Anruf aus dem Klinik-Sekreteriat.

Am 17. Juli 2019 geht es los.
Mittwoch, 8:30 Uhr, Check-In. Ein weiterer Kalendereintrag - der, der mich am meisten Zittern lies. Aus Vorfreude und Angst gleichermaßen...

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