Die letzten Tage bis zur Klinik – Packliste

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Lesezeit: 4 Minuten

Der Anruf, auf den ich so lang wartete...

Es ist der 11. Juli. Von Freudentränen überströmt sitze ich auf dem vom Sonnenlicht erwärmten Parkettboden, strahle, lache, weine. Alles gleichzeitig. Vor genau 2:35 Minuten erreichte mich der erlösende Anruf der psychosomatischen Klinik. Ein Bett ist nun frei, am 17. Juli ist Aufnahmetag. Zahlreiche Wochen voller Bangen fielen scheibchenweise von mir ab - hier habe ich Euch mit auf die Reise von Entscheidung für Klinikaufthalt bis zur finalen Zusage genommen.

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In meinem Kopf dreht sich alles. Der Wunsch, in diesem Schlüßelmoment in den Armen meines Partners, meines Leuchtturms, zu verweilen, ist stärker als alles andere. Doch nach und nach bahnen sich Gedanken ihren Weg, To-Do-Listen, Stunden in Zweisamkeit, der Übergang in einen neuen Zeitabschnitt. Es bleiben weniger als 5 Tage.

The Final Countdown

Es waren fünf Tage voller Intensität, gefüllt mit einem bunten Topf aus Vorfreude, Abschiedsschmerz und Ungewissheit. Tausende Fragen bahnten sich ihren Weg, und immer wieder hielt ich inne und fühlte in mich hinein. War ich bereit? Hatte ich an alles gedacht? Wie würde es sich anfühlen? Was würde die wochenlange Trennung von zuhause mit mir machen, mit Rainer? Was erwartet mich?

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Die Packliste, die ich von der psychosomatischen Klinik in Vorbereitung für die Aufnahme erhielt. Unterstützend, doch zugleich bleiben Fragen offen...

Immer wieder finde ich mich im Schlafzimmer wieder, wo ich mir eine 'Klinikecke' eingerichtet habe. Hier sammele ich alles, was ich mitnehmen werde. Meine Basis-Anleitung ist eine Packliste im A4-Format, die ich von der Klinik nach dem Vorgespräch erhalten habe. Die Kompaktheit dieser Liste beflügelt mich einerseits, andererseits lässt sie viel Raum für Improvisation. Und Fragen. Klar ist auch: ich möchte mir keine neuen Dinge für den Klinikaufenthalt anschaffen (dagegen sträubten sich Minimalistin und finanziell Unabhängige in mir). Also wurde ich kreativ, cyclte bei ein paar Dingen up, erdachte mir Alternativen.

Entstanden ist meine ganz eigene Packliste. Sie berücksichtigt individuelle Bedürfnisse, ebenso wie praktische Helferlein. Wertvolle Erfahrungen aus vorangegangen Reisen, Auslandsaufenthalten, Van Life und geschäftlichen Exkursen flossen ein. Die Packliste kannst Du hier im prakischen PDF-Format downloaden.



Vorbereitung (m)einer mehrwöchigen Abwesenheit

Wenn ich mich nicht im Packfieber befand, organisierte ich noch einige Dinge. Die Wichtigsten waren für mich:
- die Erstellung einer Patientenverfügung und
- eine Postvollmacht,
so dass Rainer mich vollumfänglich in meiner
Abwesenheit unterstützen konnte.

Immer wieder schaffte ich, schafften wir, Raum für Entschleunigung, für Sein, für Einander fühlen, für Genuss. Ich zauberte leckere Gerichte, wir fuhren an unsere Lieblingsorte, wir saugten das 'Hier und Jetzt' mit allen Sinnen auf. So lange hatte ich, hatten wir, auf diesen Abschnitt gewartet. Endlich ging es los. Endlich. Das einhergehende Gefühl übermannte, betäubte in einem Moment, während es in einem anderen wieder unbändig antrieb.

Der letzte Abend

Der Abend des 16. Juli war da, gefühlt kam er in Überschallgeschwindigkeit. Die Minuten zerfloßen wie Butter in der Mittagssonne, die Uhr tickte in meinen Gedanken leise, aber stetig.
Tick, tack, tick, tack. Wir genossen unseren letzten Abend vor dem neuen und unbekannten Kapitel "psychosomatische Klinik" mit unserer Lieblingsserie und allerlei Leckereien.
Bei der Abendhygiene ließ ich mir extra lange Zeit, wollte ich doch nicht, dass dieser Abend endete. Rainer gab mir einen liebevollen Gute-Nacht-Kuss und übersannte mir aus seinen schokobraunen Augen alle Zuversicht, die er bündeln konnte. We've got this!

Die Nacht war eher unruhig, zu viele Gedanken durchfloßen mich. Und doch fand ich ein paar Stunden Schlaf, gebettet in tiefer Dankbarkeit für mein Zuhause, dass mir Geborgenheit schenkte und das Abenteuer, was mir bevorstand.


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Der Kalender schrieb den 17. Juli 2019...

Pünktlich um 6:00 Uhr klingelte der Wecker. Die letzten 60 Minuten waren angebrochen. Ich genoss es, mich im Bad zu richten, die letzten Dinge in meinen Koffer zu packen, an meinen Kraftorten in der Wohnung inne zu halten. An Frühstück war an diesem Morgen nicht zu denken, dafür war die Aufregung zu groß. Um 7:05 Uhr ein letzter Atemzug, bevor wir das Auto starteten und langsam den kleinen Anstieg aus der Tiefgarage heraus auf die Straße erklommen.
Das Gepäck war verstaut.
Es ging los.

Mit jedem weiteren Kilometer wurde ich ein wenig stiller, nachdenklicher, trauriger. Tief in mir brodelte noch immer die Vorfreude, doch während der Autofahrt waren Traurigkeit, Magengrummeln und Ängstlichkeit die dominierenden Gefühle.
Nach 45 langen Minuten hatten wir das Ziel erreicht.
Ich atmete - seit Fahrtantritt - zum ersten Mal wieder tief ein, als wir an diesem frühen Sommermorgen aus dem Auto stiegen und meine Sachen entluden. Jepp, nun war es soweit.
Kein Zurück.
Die Aufnahme um 8:30 Uhr rückte immer näher.


LESETIPP

Artikel in Heft Nr. 45 der 'Psychologie Heute compact'

Dies ist ein Link zum Inhaltsverzeichnis der Ausgabe. Diese ist sicherlich in einer Bibliothek oder per Online-Order erhältlich. Aus Gründen von Copyright und Respekt habe ich mich entschieden, den Artikel nicht direkt zugänglich zu machen.

Persönliche Leseempfehlung:

Der Artikel 'Burnout ist eine Kompetenz" von Gunter Schmidt hat viel in mir bewegt. In meinem Denken, meiner Selbstwahrnehmung, der Aktzeptanz meiner Erkrankung.


Kein Zurück

Mein Herz pochte wild, schlug hinauf bis zum Hals, als ich um Punkt halb neun das Sekretariat betrat. Rainer wartete draußen im Flur auf mich, passte auf mein Gepäck auf, und ich konnte mir damals nur wage vorstellen, welches Poutpouri an Gefühlen ihn in diesem Moment einholten. Die Kälte des Flurs, das Unbekannte, Fragen über Fragen ... das leise Zu-sich-sprechen, der leise Reminder, (allem) zu vertrauen.

Die bürokratischen Aspekte waren nach ca. 15 Minuten abgearbeitet. Eine Unterschrift jedoch wird mir stets im Kopf bleiben - mein Kürzel unter dem Behandlungsvertrag mit der Klinik. Der Atem stockt mir erneut beim Schreiben dieser Worte.
Ich werde rasch verabschiedet und folge der Anweisung, mich im Hauptgebäude auf die Station der psychosomatischen Klinik zu begeben.


Der letzte Gang

Den letzten Gang ins Hauptgebäude beschritten wir gemeinsam. Hand in Hand, soweit es mit Gepäck und zeitweiser Orientierungsprobleme möglich war. Langsam, fast in Zeitlupe, und überwältigt von all den Emotionen und Eindrücken der neuen Umgebung. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir in der dritten Etage an.
Die Pflegeschwester(n) erwartet mich bereits.

Die herzliche Begrüßung von Frau M. brennt sich auf direkten Weg in mein Herz. Es fühlt sich an, wie wenn sie einen Zauberknopf betätigt und meine Anspannung wie ein schwerer Mantel von mir abfällt. Ich war angekommen.

Nur wenige Minuten später war es soweit - ich verabschiedete mich von Rainer. Die Augen mit Tränen gefüllt fühlte ich noch einmal seine feste Umarmung, seine Wärme, seine Liebe und tiefe Anerkennung für meine Entscheidung. Den Mut für Veränderung, für Wachstum, teilen wir. Ich spürte im Moment der Verabschiedung, dass alles genau so ist, wie es sein soll. Ich war am Ziel. Angekommen in einem neuen Kapitel.

Mit langsamen Schritten entfernte sich Rainer. Ich genoß jede Sekunde, konservierte sie in der Tiefe meines Herzens.
Nun war ich auf mich alleine gestellt.
Stetig mit dem Leuchtturm am Horizont vor meinem inneren Auge.

2 Gedanken zu „Die letzten Tage bis zur Klinik – Packliste“

  1. Danke für deinen mutigen, offenen und emotionalen Artikel.
    Wie geht es dir denn?
    Wie ist dein Aufenthalt?
    Wie geht es deinem Mann?

    Fragen über Fragen.
    Vor allem, warum darfst du keinen Laptop mit nehmen? Gerade für uns Blogger essentiell.

    Lg und unbekannterweise eine herzliche Umarmung an dich starke Frau

    1. Liebe Maria,

      ich habe mich sehr über deine ausführliche Nachricht gefreut.
      Mir geht es gut, doch darf ich nach wie vor (oder besser gesagt dauerhaft) achtsam mit mir umgehen. Ich versuche, die Zeichen meines Körpers und meiner Seele frühzeitig zu erkennen und, noch viel wichtiger, ihnen Beachtung und den Raum zur Integration und zur Heilung zu geben. Mein Aufenthalt liegt nun knapp 1 Jahr zurück, und die 8 Wochen Aufenthalt haben viele positive Wendungen in mein Leben gebracht. Unter anderem auch, meine Stärke noch weiter zu leben, aber auch Schwäche als heilendes Element zu würdigen, und vor allem meine Erlebnisse, meine Erfahrungen, meine Learnings mit der Welt zu teilen. Es bereitet mir riesige Freude und ist ein weiterer Baustein im Heilungsprozess.

      Meinem Partner geht es ebenfalls gut. Die gemeinsam erlebte Zeit hat uns stark geprägt, ein starker Faktor war natürlich die räumliche Trennung, aber auch der Fakt, dass man für 2 Monate quasi zwei Leben führt. Zwei Hauptaspekte durfte ich in dem Zusammenhang für mich lernen:
      (1) für eine Partnerschaft ist ein solcher Kinikaufenthalt eine essenzielle Probe. Vor allem auch deshalb, weil ein Partner sich im Rahmen der Therapie stark entwickelt, wächst, aufarbeitet, Routinen etabliert und Blockaden auflöst. Der andere Partner ohne Therapie darf da natürlich erst einmal „mitkommen“ und es besteht natürlich die Möglichkeit, dass die Lebenszüge sich auf unterschiedlichen Routen fortsetzen. Allerdings passieren alle Dinge aus einem Grund, von daher ist eine solch‘ fundierte Therapie eventuell nur ein Katalysator.
      (2) für Partner, Familie und Freunde ist es oftmals eine gewaltige Entlastung, wenn sich der Betroffene externe Hilfe sucht. Diese Hilfe ist im Regulärfall neutraler und professioneller Natur, was eine Therapie oft erfolgreich(er) macht. Dadurch, dass unsere engsten Vertrauten uns am nächsten sind, ist es ihr größtes Bedürfnis, uns helfen zu wollen. Doch oft beginnt der Heilungsprozess bei Hilfe zur Selbsthilfe. Selbstreflektion. Raus aus dem gewohnten Umfeld. Raus aus der Komfortzone. Hinschauen. Fühlen. Schmerz integrieren. Wachsen. Unter professioneller Betreuung und mit einem Fallschirm im Hintergrund, der bereit ist, bei Bedarf geöffnet zu werden.

      Warum darf man keinen Laptop mitnehmen? Das beruht auf dem „einfachen“ Grundssatz, dass jegliche Ablenkung vermieden werden soll. Dinge, die davon ablenken, sich mit sich selbst zu beschäftigen. In den inneren Dialog zu gehen. Ein weiterer Grundsatz ist die Distanzierung vom Alltag, um Druck, Stress und Triggern zu entkommen. Glaubenssätze und Gewohnheiten aufzudecken und zu durchbrechen. Ich bin sehr froh über die Tatsache, dass ich vorab informiert wurde, dass Laptops und andere Elektronik nicht erwünscht sind, denn ich hätte meinen Laptop andersweitig ganz sicher eingepackt.
      Für mich als Blogger ist das Schreiben in erster Linie ein Ventil, mein Zugang zur mentalen Selbstheilung, und daher habe ich viel Tagebuch in der Klinik geschrieben. Viel gezeichnet, und viele Gespräche mit meinen engsten Vertrauten geführt. Im Nachhinein kann ich zielsicher sagen: es bleibt ohnehin kaum Zeit für Alltägliches wie Bloggen, da die Klinik-Tage gut gefüllt sind. Durch diverse Therapien, viele Aufgaben außerhalb der Therapiestunden (Dokumentation, Journaling, Vorbereitung Gesprächstherapie, Aufgaben auf Station) und freie Zeit, die man sich entweder für sich nimmt (Waldsparziergänge, Telefonate, Besuch empfangen, Lesen, Zeichnen) oder mit Mitpatienten als Teil einer Gruppe verbringt (Sparziergänge, Tischtennis-Matches, Spieleabend, gemeinsames Fernsehen, Ausflüge). Die Zeit vergeht auch in der Klinik wie im Flug.
      Und noch ein Insight: Schlafen (also im Sinne von Mittagsschlaf) ist ebenfalls nicht erlaubt. Hier geht es um den Aufbau bzw. die Erhaltung einer Tagesroutine und auch im Kern darum, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und nicht durch Schlaf „ruhigzustellen“.

      Ich hoffe, meine Antworten haben dir noch weitere Einblicke beschert, und ich freue mich über jede weitere Frage!

      Bleib neugierig,
      von Herzen,
      Franzi

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