Freiheit Leben Wohnung – ohne feste Wohnung

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Lesezeit: 5 Minuten

Stand: 30.12.2020


Freiheit, Leben, Wohnung

Wie alles begann...

Als ich am 31. Oktober 2019 die Tür meiner Wohnung in Rielasingen nach erfolgreicher Wohnungsübegabe zuzog, öffnete sich die Tür in ein neues Kapitel. Der Umzug aus der Bodenseeregion hin nach NRW - irgendwo zwischen Rheinland und Ruhrgebiet wollten wir einen Neustart wagen.

Freiheit, Leben, Wohnung - das sind Schlagwörter, die mich schon länger begleiten. Ich bin umzugserprobt, habe bereits verschiedene Wohnmodelle ausprobiert. Vom 200 qm-Haus zur Miete in Australien über das Leben im selbstausgebauten Wohnmobil an der spanischen Küsten bis hin zur Vierer-WG an der Schweizer Grenze. Das Thema 'Tiny House' begeistert mich, seit ich das erste Mal davon hörte. 

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Das eines Tages auch dazu zählen würde, 14 Monate ohne feste Wohnung zu leben, ahnte ich nicht, als die Wohnungstür im Oktober 2019 ein letztes Mal ins Schloß fiel. Drei Jahre hatten wir hier gemeinsam gelebt - auf knapp 95 qm - eine bereichernde und erdende Zeit, die ich nicht missen möchte.

Ohne feste Wohnung

Eine der meist gestellten Fragen an mich im vergangenen Jahr war die, wie wir ohne feste Wohnung leben können? Wie funktioniert das konkret? Wir mieten uns Ferienwohnungen an, meist über die Plattform Airbnb, welche wir dann für einige Woche beziehen. 

Schon in Vorbereitung des Umzugs quer durch Deutschland war klar, dass wir erst vor Ort eine feste Wohnung suchen werden. Organisatorisch wäre es schwer geworden, vom Süden aus eine Wohnung im Westen zu finden. Darüber hinaus steckten wir noch mitten im Bewerbungsprozess und es war noch nicht klar, wo es uns genau hin verschlagen würde. Schon damals war es eine bewußte Entscheidung unsererseits, den Neustart in einer Ferienwohnung zu vollziehen, die sich für uns ab Minute 1 stimmig anfühlte.

Ein Grundpfeiler, der uns diese Art Wohnkonzept ermöglicht, ist unser Lagerraum in Düsseldorf. Wir verkauften vor dem Umzug bereits große Teile unseres Besitzes und zogen so [nur] einen 3,5 t LKW mit unserem Hab und Gut um. Das Wichtigste haben wir am Mann, das Lager reduzieren wir kontinuierlich weiter. Verkauf, Minimalismus und Upcycling sind essenzieller Teil unseres Lebenskonzeptes geworden - mehr dazu gibt es in diesem Beitrag "Online Verkaufen Tipps".

Wohnen neugedacht

Mindset ist der Aspekt, der den Unterschied macht. Natürlich ist die Art des Lebens, so wie wir sie vollziehen, eine Herausforderung. Und das jeden Tag. Aber: es gibt auch viel Raum für Flexibilität und Kreativität. Und für unseren Wunsch, später einmal im Tiny House (wobei ich besser sagen sollte 'Tiny Houses', denn wir würden gerne eine Konzept mit 2 Mini-Häusern realisieren) zu leben, ist eine sehr, sehr gute Übung.

Der für mich wichtigste Punkt ist, dass es unsere freie Wahl ist. Wir refelektieren in regelmäßigen Abständen neu, tauschen uns auf tiefster Ebene darüber aus, wie es uns geht, was uns fehlt, welche Bedürfnisse gerade besonders stark sind. Und ja, wir freuen uns darauf, zukünftig wieder einen Platz zu finden, den wir - für einen längeren Zeitraum - unser Eigen nennen dürfen. Aber: wir sind okay damit, wie es aktuell ist und vorrangig dankbar, dass wir einen Ort haben, der uns ein Dach über dem Kopf, Wärme, sauberes Wasser, Gemütlichkeit und Lebensraum bietet.

Hand aufs Herz...

Nun aber 'Hand aufs Herz'. Mindset hin oder her, es muss doch Dinge geben, die euch fehlen, die euch das ein oder andere Mal Energie rauben oder Tage, an denen euch das ganze Wohn-Nomaden-Ding über den Kopf wächst.

Natürlich gibt es diese Dinge und Tage.

Was mir am meisten fehlt

  • Raum für Rückzug
  • Waschmaschine
  • Eine größere Küche
  • Backofen
  • Badewanne

Was mir öfter Energie raubt

  • Zeitaufwand, den ein Umzug alle paar Wochen mit sich bringt 
  • Entscheidungen treffen für die nächste Unterkunft
  • Bürokratische Aspekte
  • Auf engsten Raum zu zweit zu leben

Im Mai 2020 haben mein Partner Rainer und ich bereits eine Podcastfolge zu dem Thema aufgenommen. Diese setzt sicherlich einige der oben genannten Punkte in Kontext und macht sie besser fühlbar.

aber hör' selbst - hier geht'S ZUM PODCAST

Die meisten der oben genannten Dinge sind für mich gut verzichtbar. Aktuell leben wir für 4 Wochen in einer Ferienwohnung, in dessen Hauskomplex eine Gemeinschaftswaschmaschine und Trockner gibt. Das fühlt sich gerade wie purer Luxus an, und unsere Wertschätzung für diese Option ist nach so vielen Monaten der regelmäßigen Fahrten in den Waschsalon immens.

Doch so viel Freude und Erleichterung Dinge wie Waschmaschine, Backofen oder Badewanne bringen, ein Aspekt überwiegt alles. Der fehlende Raum für Rückzug. Es lässt mich immer wieder Stauen, wie kreativ wir beide werden, um dem anderen Raum zu geben, oder wie oft wir die "Flucht nach draußen" suchen, auch an kalten oder nassen Wintertagen.

Das Zusammenleben auf engsten Raum - bislang nie mehr als 35 qm - ist die größte Herausforderung. Mit intensiver Kommunikation, radikaler Ehrlichkeit und einem tiefen Verständnis für die positive Wirkung regelmäßiger Dankbarkeitsrituale meistern wir diese Herausforderung. An manchen Tagen grandios, an anderen nicht. Von außen wird mir oft das Bewußtsein dafür geschärft, dass dies nur so gut funktioniert, weil wir eine so tiefe Verbindung und feste Basis haben. Danke Schatz, dass du mit mir diesen besonderen Weg gehst.

Besondere Räume und Rituale schaffen

Freiheit Leben Wohnung ohne feste Wohnung Minimalismus Rituale erschaffen Raum schaffen für Erdung Geborgenheit Entschleunigung

Mit unserer Yogamatte zog Raum für Entschleunigung, Geborgenheit, Selbstfürsorge und Erdung ein.

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Neben einem gesunden Mindset und mentaler Stärke ist es ein kraftvolles Werkzeug, uns Räume und Rituale zu schaffen. Diese schenken Energie, geben Kraft, Zuversicht, Erdung und auch eine Art Sicherheit. Eine der besten Anschaffungen in 2020 war die Yogamatte im obigen Bild, die ich mir selbst zum Geburtstag geschenkt habe. Sie hat sofort dazugehört, und wann immer wie sie Ausrollen, fühlen wir uns geborgen(er) und geerdet(er). 

Pandemie, Freiheit und Leben ohne feste Wohnung

Ich, wir, habe die Pandemie an gewissen Stellen anders erlebt als viele meiner Mitmenschen. In einer Zeit, in der Hygiene, Isolation bis hin zur Quarantäne, Lockdown und Home Office zur 'neuen Normalität' geworden ist, hat das Konzept des eigenen Wohnraumes an Bedeutung gewonnen.

Eine feste Zwischenstation für 7 Monate

Mich erfüllt es mit tiefster Dankbarkeit, dass wir in Q2 und Q3 für ganze 7 Monate in der gleichen Ferienwohnung leben durften. In einer Zeit, wo unsere Welt mit Wucht von einer Pandemie überrollt wurde, schätze ich die Sicherheit, die wir so erfahren durften. Es hat Ressourcen freigesetzt für andere Lebensbereiche, die in diesen Monaten besondere Aufmerksamkeit benötigten. 

Die größte Aufmerksamkeit liegt auf unseren finanziellen Umständen, die uns täglich Sorgen lässt, und im nächsten Moment neue Energien und kreative Ideen freisetzt. Diesen Abschnitt zu schreiben, fällt mir unheimlich schwer. Dieser Lebensbereich 'Finanzen' hat eine so immense Auswirkung auf alle anderen Bereiche - insbesondere Gesundheit und Soziales - das seine Nicht-Erwähnung falsch und unehrlich wäre. Eine Stimme in mir schreit, ihm nicht zu viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die andere streichelt meine Seele sanft und flüstert "wie ihr beide für euch Wege gebaut habt, verlangt nach tiefster Anerkennung".  

Ich atme tief ein. Das Formulieren der Gedanken lähmt und beflügelt mich gleichermaßen. Geld und Finanzen sollten uns unser Leben erleichtern, uns unterstützen darin unsere Träume zu leben, sie sollten Teil des "großen Ganzen" sein, und nicht darüber bestimmen, wie wir leben (können). Liebe Welt, es ist fünf nach zwölf. Wann realisieren wir - gemeinsam und auf Augenhöhe - die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE). Ich werde weiter dafür kämpfen... und hoffen!

meine artikel zum thema 'BGE'

Wohnen 2.0

Diesen Blogbeitrag zu schreiben, hat viele Anläufe und Monate gebraucht. Das Leben ohne feste Wohnung ist in den vergangenen 14 Monaten Mittelpunkt meines Lebens (geworden). Ich habe so viel zu berichten, so viele konkrete Tipps zu teilen, so viel gelernt an jedem einzelnen Tag. 

Es wird sicherlich weitere Beiträge zum Thema geben. Auch eine weitere Podcastfolge steht in meinem Kopf bereits in den Startlöchern. Aber alles zu seiner Zeit, dann wenn es sich stimmig anfühlt. Es ist der 30. Dezember 2020, ein herausforderndes Jahr neigt sich dem Ende, und ich darf mir zum Abschluss diesen Beitrag schenken. Meine Finger sind in den letzten drei Stunden unaufhaltsam über die Tastatur geflogen, die Energie floßen, und ein weiterer wichtiger Beitrag findet seinen Weg in die Welt.

Gibt es Fragen, die für dich offen geblieben sind? Hast du ähnliche Erfahrungen bereits selbst gemacht? Kannst du dir auch selbst vorstellen, ein alternatives Leben so wie wir, zu leben?  

Ich freue mich auf deine Gedanken, sehr gerne per Kommentarfunktion, so dass wir als Community gemeinsam wachsen können.

Einfach mal weitersagen!

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